Abwesende(r) 01 präsentiert:
Der Superheld
(allg. Prototyp)
1. Charakterzüge.
der SH. ist eine Sagengestalt des modernen Mythos (im Gegensatz zum Logos); seine Genese ist der antiker Titanen/ Halbgötter / Helden vergleichbar. Statt ein Normalmensch geworden zu sein (dessen Morphologie ihm gleichwohl noch deutlich anhaftet...) ist er/sie mit über-menschlichen Fähigkeiten ausgestattet.
Durch wen? da gibt es mehrere Versionen:
I. Bewußte Gestaltung durch einen Gott in Weiß, oder einen mad scientist, einem einmalig verrückten Genie, also Kind des Versuchs übermenschliches, perfektes Design zu erschaffen; ein Homunculus wie der Golem oder Frankensteins Monster. Genau wie bei diesen sind seine/ihre übermenschlichen Fähigkeiten jedoch außerhalb der Kontrolle des Schöpfers geraten.
Oder:
II. Durch ein versehentliches Freisetzen (übermenschlicher) Energien (ggf. wieder durch Schuld eines mad scientist) mutiertes menschliches Wesen (z.B. durch Gammastrahlung oder weiß der Teufel)
Oder:
III. Durch schicksalhaft göttliche Mächte zufällig sonderbegabtes Wesen; bzw. von vornherein Alien, "außerirdisches" Menschenwesen.
Insgesamt ist der Superheld also:
ein Mensch auf dem Weg zum Übermenschen, oder (von der andren Seite betrachtet), ein gefallener Gott.
seine übermenschliche Seite verdankt er einer gottartigen Kraft / Ordnungsinstanz, daher seine Sehnsucht nach diesen seinen Wurzeln, nach göttlicher Perfektion. - Suche nach dem verlorenen Paradies oder schlicht dem verlorenen Vater.
Weiterhin zeichnet sich der SH durch seine Bipolarität aus Übermensch und Mensch aus; d.h. es existiert auch eine Sehnsucht nach der anderen Seite, nach der der gewöhnlichen Menschen, nach Zugehörigkeit und Überbrückung der (übermenschlichen) Einsamkeit.
Der arme Superheld ist wirklich nirgends zu Hause.
Oftmals muß er/sie sein/ihr Übermenschentum bewußt vom Menschentum trennen, durch (schicke und figurbetonte) Maskerade, gleichzeitig zur Schau stellen und schützen, sowie diese Doppelidentität verschleiern.
2. Folgen für die Entwicklung (Performance) des Superhelden :
I. Ödipuskomplex! - ständiges hin- und hergerissensein zwischen Faszination, Abstoßung, Sehnsucht usw. für/gegen/nach den/m göttlichen Ursprung. Entlädt sich entweder in der Zerstörung des Schöpfers (vgl. Frankenstein oder Wolverin), der als Quell allen Leids identifiziert wurde.
Und // Oder:
II. dem verzweifelten Versuch, die Leerstelle im so überreich begabten Leben zu füllen; Zuwendung zur Menschheit und Versuch, die eigenen reichen Fähigkeiten in den Dienst der minder begabten menschlichen Gemeinschaft zu stellen; der SH wird dann zum überzeugten Soldaten im apokalyptischen Kampf Gut gegen Böse (vgl. die Spinne u.v.a.).
Und // Oder:
III. (Negativ-Version:) Der Kampf an sich wird zum Inhalt des leeren Heldenlebens; dies vorallem in komplexeren Comic- oder Mythenlandschaften, wo mehrere SHen auftauchen, die sich letztendlich aneinander abreagieren, oder wiederum eine (koplexere) Form menschlichen Kampfs Gut gegen Böse zu ihrer Welt machen (vgl. X Men)
3. Mögliche Codierungen des Superhelden für das Karaoke-Theater
Dualität:
Gott = Perfektion der Performance, vgl. Bühnenwelt klassisch
Mensch = Imperfekte Performance, vgl. Publikums,- Alltagswelt
Superheld als Zwischenwesen ist ein KARAOKESTAR!
Er versucht in einem (übermenschlichen...) Kraftakt seinen Gott des perfekten Designs aufzuheben (in hegelschem Sinn: zu löschen UND zu erheben, hinaufzuheben), indem er dessen Merkmale / Mächte verlegt. Die vormals göttliche Macht wird zum ideellen intersubjektiven Raum / Wesen.
Setzen wir also den (von uns erfundenen) Karaoke-SH auf eine klassische Theaterbühne, begeben wir als die Abwesenden (c) uns selbst automatisch in die Rolle des Schöpfergottes (oder der Vaterfigur).
Gleich darauf verschwinden wir gemeinerweise wieder, enttäuscht von der entstandenen traurigen Figur.
Der Karaoke-Superheld spürt unsere faktische Abwesenheit schmerzlich. Der Ödipuskomplex kommt ins Rollen. Der Karaoke-Superheld wird nun seine HassLiebe für uns Unereichbare auf das Publikum (= die Menschen) übertragen und seine Leere durch seinen Dienst an selbigem Publikum füllen.
Schließlich sind WIR gänzlich durch das als kollektive (und nun: ebenfalls gottähnliche) Publikum substituiert...
Also: ist Er es letztendlich, unser einsamer Superheld, der das Publikum als göttliches Wesen einsetzt, ihm unser Feuer weiterreicht.
Das funktioniert ja bei Superhelden immer so, man erinnere sich an Prometheus.
Der Superheld ist der Katalysator von Gottestod und Demokratie....
- Das Projekt Jesus macht eine Ausnahme und war vielleicht von vornherein zum Scheitern verurteilt: Denn der versuchte ja bekanntlich, beides zu verwirklichen, die gleichzeitige Existenz von Gott und befreitem Menschen existieren zu lassen; dabei wollten die sich gegenseitig gar nicht. Was tut er also? er nimmt alle Ungereimtheit auf sich und versucht sie zu löschen, indem er stirbt. Mit welchem Erfolg? jetzt ist er selbst zum Gott geworden, sitzt an Seiner rechten Seite und so. Die gescheiterte Einigkeit wird zunächst in den unereichbaren Himmel (da keine Superheldenflugkünste vorhanden bei der gläubigen Menschheit!) und dann in die unerreichbare Zukunft des Jenseits verschoben.... -
Nein. Gut. Zuviel. Jesus ist halt was anderes.
Der ordentliche Superheld stellt sich wie gesagt ganz in den (selbstquälerischen) Dienst des Menschen. Er wird zum Super-Polizisten, Super-Soldaten, Super-Popstar oder gerne auch mal zur Super-Nutte.
Er (Sie) ist so zum Fetisch geworden. Vor seinem Angesicht und durch seine Vermittlung wird der eigentliche vormalige Schöpfer geschlachtet, verteilt, gefressen, absorbiert und lebt als massenhaftes Wesen wieder auf....
das hat ja alles sooooo einen langen Bart, das gabs ja schon bei den Griechen (z.B. bei den Mänaden/Bacchen, im Dyonisoskult), den Ägyptern (Isis/Osiris), und vorher auch schon; sogar der Jesus Kult bedient sich der Fress-Logik, auch wenn hier, wie so vieles, der Superheld etwas verdreht ist. (tja, da wird halt der Superstar gefressen statt seinem Papa, der unereichbar bleibt; das ist dann letztendlich aber eine ziemlich imperfekte Wandlung!!!)
istjagut. jetzt reichts aber wirklich mal wieder mit der Theologie.
Nochmal von vorn: der Superheldenkaraokestar im Karaoke-Theater (tm):
...man könnte ja behaupten, nach rein empirischer Erhebung, dass der Superheldenstar grade eine ziemlich heiße Phase hat, sich ganz ordentlich im Auverkauf befindet. Superman hat zunächst, müde vom vielen Rumfliegen, Batman, Catwoman und dem Pinguin Platz gemacht, die setzten schließlich die X-Men ein und diese wiederum Daniel Kübelböck.
Der Superhelden-Verbrauch steigt rasant an, dabei wird die Superheldenschar sich immer weniger außergewöhnliche Fähigkeiten teilen müssen (Superman konnte noch irgendwie alles, während Kübelböck vor allem süß-patschig ausschaut und schlechte Karaoke macht).
Bald sind die Superfähigkeiten ganz ausverkauft und am Ende bleibt (neben dem malerischen Summen der Transistoren) eine erstaunt blickende Supermasse zurück, lauter Helden, lauter Stars, und immer noch alle verödipust und verlassen.
Gleich fangen sie zu schrein an und rufen,... na wen wohl? ... UNS.
"Liebe Abwesende, kommt doch zurück! bastelts uns ein hübsches Design, wir können das nicht selber. Und wir fangen ganz von vorn an, ehrlich, wir wolln auch erstmal keine SMS-Abstimmungen mehr, versprochen. Aber, bittschön, ihr müssts schon wieder auftauchen...(Plärr)!"
Und wir? Aus weiter weiter Ferne, entspannt und desinteressiert, in einer Hängmatte auf den paradisischen Bahamas, die Pina Colada in der Hand, seufzen wir verständnisvoll auf.
Na gut. Wenns sein muß. Wir lassen den Strohhalm aus dem Mundwinkel gleiten, schütteln die Blüten aus dem Haar uns schwingen uns aus der (mei bequem wars scho!) Hängematte und machen uns daran, ein neues Design, einen neuen Anfang, einen neuen, noch reinen Helden zu basteln.
(das mit dem Jesus damals hat doch ganz gut geklappt, da hammer a paar Jahrhundert unser Ruh ghabt...)
© Abwesende(r) 01
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